Kurz zusammengefasst
- Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ist die medizinische Versorgung sehr gut
- In der Schweiz ist die Grundversicherung als Basis-Schutz für alle verpflichtend
- Der Arbeitgeber beteiligt sich nicht an den Kosten
- Die Kosten für das Schweizer Gesundheitssystem sind hoch, sowohl für den Einzelnen als auch für die Kantone
- Die enthaltenen Leistungen sind begrenzt, für zusätzlichen Schutz existieren private Zusatzversicherungen
- Mit der Wahl eines anderen Anbieters, eines anderen Tarifmodells oder einer hohen Franchise könne Sie Ihre Versicherungsprämie senken
Ein Umzug in die Schweiz bringt einige Veränderungen mit sich. Zwar ist das Nachbarland in vielen Bereichen ähnlich aufgestellt, hier und da gibt es aber doch Unterschiede: Das Schweizer Gesundheitssystem unterscheidet sich recht stark von dem auf der deutschen Seite der Grenze. Was Sie erwartet und auf welche Änderungen Sie sich einstellen müssen, haben wir für Sie zusammengefasst.
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Schweiz: Verpflichtende Grundversicherung für alle
Der grösste Unterschied zwischen dem Schweizer und dem deutschen Versicherungssystem besteht darin, dass es in der Schweiz keine zwei Versicherungsarten (gesetzlich und privat) wie in Deutschland gibt. Stattdessen sind alle in der Schweiz wohnhaften Personen gesetzlich verpflichtet, sich bei einer Grundversicherung anzumelden: Diese bildet die Basis für die Versorgung von Krankheiten und Unfällen. Das Besondere: Die Leistungen der Grundversicherung sind für alle Versicherten identisch, denn sie werden vom Gesetzgeber festgelegt. Es ist also egal, bei welchem Anbieter Sie sich versichern – Sie erhalten immer dieselben Leistungen und haben denselben Anspruch.
Kosten des Gesundheitssystems
Das Gesundheitssystem in der Schweiz hat eine hohe Qualität, kostet aber auch sehr viel. Es finanziert sich einerseits durch die Prämien, Franchise und Selbstbehalt für die Krankenversicherung, andererseits durch Beteiligung von Bund und Kantonen. Der ambulante Bereich wird derzeit zu 100% mit den Prämien finanziert, im Spitalbereich sind es allerdings nur 45%, mehr als die Hälfte zahlen die Kantone selbst.
Die Versorgung im Spital erfolgt über “Spitallisten” der Grundversicherung: Versicherte können nur in Spitälern behandelt werden, die auf der Spitalliste des Kantons stehen. So wird sichergestellt, dass Versicherte keine unnötigen Entfernungen auf sich nehmen und die Behandlungskosten einen bestimmten Rahmen nicht überschreiten.
Steigende Kosten für medizinische Versorgung und Materialien sowie die allgemeine globale Lage haben in den letzten Jahren zu einer Verteuerung im Schweizer Gesundheitssystem geführt: Die Reserven der Krankenkassen sind gering und die Prämien steigen jährlich. So hat das Schweizer System ebenso Vor- wie Nachteile: Alle Bürgerinnen und Bürger haben Zugriff auf eine hochwertige medizinische Versorgung, gleichzeitig müssen Sie aber auch einen erheblichen Teil ihres Einkommens dafür aufbringen.
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Die grössten Unterschiede zum deutschen Gesundheitssystem
Auch wenn die Ausgestaltung der Krankenversicherung in der Schweiz grundsätzlich ähnlich ist, sollten sich Deutsche vor ihrem über ein paar Unterschiede bewusst sein:
Die Krankenversicherung kostet mehr
Das Schweizer Gesundheitssystem zählt zu den besten, aber auch den teuersten Systemen der Welt. Die Prämien sind vergleichsweise hoch, und der Arbeitgeber beteiligt sich nicht an den Kosten. Berücksichtigen Sie dies unbedingt, wenn Sie Ihr Budget für die Lebenshaltung in der Schweiz planen.
Zudem müssen Sie jährlich einen Selbstbehalt von 10% pro Rechnung aufbringen, bis ein Betrag von 700 Franken erreicht ist. Eine weitere Kostenbeteiligung ist in Form der Franchise vorgesehen: Bis zu diesem Betrag können Sie bei Ihrer Versicherung keine Kostenerstattung erhalten. Wählen Sie zum Beispiel eine Franchise von 1000 Franken, haben Sie erst Anspruch auf Kostenerstattung, wenn Sie einen Betrag von mindestens 1001 an Rechnungen für medizinische Behandlungen, Medikamente usw. erreicht haben.
Es sind weniger Leistungen enthalten
Die Basis-Versorgung ist mit der Grundversicherung zwar vorhanden, insgesamt ist die medizinische Versorgung aber eher karg, wenn Sie ausschliesslich auf diese setzen. Es geht vor allem darum, akute Erkrankungen zu behandeln und ernsthaften gesundheitlichen Schaden abzuwenden. Bei vielen Leistungen müssen Sie selbst in die Tasche greifen, da die jährliche Kostenbeteiligung schnell ausgereizt ist. Andere Leistungen sind gar nicht erst enthalten: Für den Besuch beim Zahnarzt ist keine Kostenbeteiligung vorgesehen, auch nicht bei starken Beschwerden. Hier kommen in jedem Fall weitere Kosten auf Sie zu: Sie können die Rechnungen selbst bezahlen oder eine Zusatzversicherung abschliessen, für die dann aber ebenfalls eine monatliche Prämie fällig wird.
Sie haben stärkeren Einfluss auf die Gestaltung der Versicherung und die Prämienhöhe
In Deutschland können Sie die Versicherung natürlich auch wechseln – meist erreichen Sie damit aber lediglich eine geringe Kostenersparnis bei ansonsten vergleichbaren Leistungen. In der Schweiz können Sie durch regelmässige Wechsel, die Auswahl eines anderen Tarifmodells oder eine höhere Franchise deutlich mehr Einfluss auf die Gestaltung Ihrer Versicherung nehmen. Auch das Sparpotenzial ist grösser: Wer von einem Standard-Modell mit freier Arztwahl und 300 Franken Franchise zu einem Telemedizin-Modell mit 2500 Franken Franchise wechselt, kann im Jahr durchaus einen vierstelligen Betrag einsparen.
Keine Familienversicherung
Es ist in der Schweiz nicht möglich, Familienangehörige beitragsfrei mitzuversichern. Jede in der Schweiz lebende Person muss spätestens im Alter von drei Monaten eine gültige Grundversicherung vorweisen. Für Familien bedeutet das eine hohe finanzielle Belastung, besonders, wenn mehrere Kinder vorhanden sind. Die Tarife für Kinder sind allerdings günstiger für Erwachsene – nutzen Sie ausserdem Familienrabatte, kann es noch günstiger werden: Viele Anbieter versichern Kinder zu einem reduzierten Satz, wenn bereits ein Geschwisterkind dort versichert ist. Ab dem dritten Kind bieten manche Versicherer sogar einen Rabatt von 90-100%, versichern das dritte Kind also (fast) umsonst mit.
Unfälle: Nicht automatisch mitversichert
Bei Unfällen ist in der Schweiz die Unfallversicherung (UVG) zuständig: Sobald Sie mehr als 8 Stunden pro Woche für Ihren Arbeitgeber arbeiten, sind Sie automatisch über diesen versichert. Nur, wenn Sie weniger arbeiten, gar nicht erwerbstätig sind oder studieren, haben Sie die Möglichkeit, einen Unfallschutz in Ihre Grundversicherung zu integrieren.
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Zusatzversicherungen in der Schweiz: Sinnvoll oder Geldverschwendung?
Da die Leistungen der Grundversicherung sehr begrenzt sind, gibt es in der Schweiz ein sehr grosses Angebot an unterschiedlichen Zusatzversicherungen. Manche sind eher “nice-to-have", es gibt aber durchaus Tarife, die den Schutz der Grundversicherung sinnvoll ergänzen.
Zusatzversicherung für Zähne
Möchten Sie nicht jede Zahnarztrechnung selbst bezahlen, ist eine ambulante Zusatzversicherung unbedingt zu empfehlen. Die Auswahl ist gross: Es gibt Basis-Tarife, die sich nur mit einem geringen Betrag beteiligen, aber auch Premium-Pakete, die viele Leistungen umfassen und eine hohe Kostenbeteiligung bieten. Besonders sinnvoll ist eine solche Zusatzversicherung für Kinder, da diese häufig zum Zahnarzt müssen. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass auch kieferorthopädische Leistungen und Hilfsmittel wie Zahnspangen im Tarif enthalten sind.
Spitalversicherung
Die Spital-Versorgung in der Schweiz ist grundsätzlich gut. Mit einer Grundversicherung haben Sie aber lediglich Anspruch auf die Standard-Behandlung auf der allgemeinen Station, und das nur in Spitälern, die auf der Spitalliste Ihres Wohnkantons stehen, sich also in der Nähe Ihres Wohnorts befinden. Mit einer Spitalversicherung können Sie sowohl die medizinische Versorgung als auch die Unterbringung im Spital verbessern: Je nach Tarif haben Sie Anspruch auf Chefarzt-Behandlung und Unterbringung in einem Einzel- oder Zweibettzimmer. Auch zusätzliche Leistungen wie Kaffee und Kuchen am Nachmittag oder Pflegeprodukte sind in manchen Tarifen enthalten.
Bei Spitalversicherungen haben Sie die Auswahl zwischen allgemeinen, halbprivaten und privaten Tarifen: Je mehr Leistungen enthalten sind und je besser die Unterbringung ist, desto höher fällt auch die Prämie aus. Möchten Sie sich nicht dauerhaft festlegen, kann auch eine flexible Spitalversicherung eine gute Wahl sein: In diesen Tarifen können Sie vor jedem Spital-Aufenthalt neu bestimmen, wie Sie untergebracht und behandelt werden möchten. Entsprechend Ihrer Entscheidung fällt Ihre Kostenbeteiligung dann höher oder niedriger aus.
Bei der Auswahl einer Zusatzversicherung sollten Sie zwei Dinge bedenken: Zum einen sind die Versicherungen nicht verpflichtet, Sie aufzunehmen. Wichtig ist ein guter Gesundheitszustand, auch ein jüngeres Alter ist von Vorteil. Schliessen Sie eine Zusatzversicherung also im Zweifel frühzeitig ab und warten Sie nicht, bis die befürchtete Erkrankung tatsächlich eintritt.
Zum anderen ist es durch das grosse Angebot nicht immer einfach, den passenden Tarif zu finden. Nehmen Sie sich Zeit für den vergleich und überlegen Sie sich vorher, welche Leistungen Ihnen besonders wichtig sind. Fordern Sie am besten auch Ihr individuelles Angebot von uns an – so finden Sie schnell heraus, welche Versicherung für Sie die richtige ist.
Schweiz: Trotz allem eines der besten Gesundheitssysteme der Welt
Der Fokus auf die gestiegenen Kosten und die steigenden Prämien lässt oft vergessen, dass das Schweizer Gesundheitssystem dennoch zu den besten der Welt zählt: Im europäischen Vergleich belegt das Schweizer Gesundheitssystem regelmässig den ersten Platz, zum Beispiel in einer Untersuchung von Health Consumer Powerhouse aus dem Jahr 2018. Im weltweiten Vergleich sieht es ähnlich aus: Das Schweizer Gesundheitssystem ist hier in der Regel auf den vorderen Rängen vertreten, zusammen mit Japan und Deutschland.
Unser Fazit
In den Grundzügen gleichen sich das deutsche und das schweizerische Gesundheitssystem. Schaut man genauer hin, gibt es aber doch einige Unterschiede: Die Kosten für Privatpersonen sind höher, weil es keine Arbeitgeberbeteiligung gibt und man sich stärker an den Behandlungskosten beteiligen muss. Auch die enthaltenen Leistungen entsprechen nicht vollständig dem deutschen Standard.
Deshalb sollten Sie sich bei einem Umzug in die Schweiz vorher gut überlegen, welche Leistungen Ihnen wichtig sind und prüfen, ob diese in der Grundversicherung enthalten sind. Falls nicht, können Sie entsprechende Zusatzversicherungen auswählen und erhalten so einen realistischen Überblick darüber, mit welchen Kosten Sie insgesamt rechnen müssen. Fordern Sie auch Ihr individuelles Angebot von uns an, völlig kostenlos und unverbindlich, und sorgen Sie so für die bestmögliche medizinische Versorgung in Ihrer neuen Heimat!
Weitere Links und Quellen zu diesem Beitrag
- www.praktischarzt.ch – Gesundheitssystem Schweiz erklärt
- www.aboutswitzerland.eda.admin.ch – Gesundheitssystem
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