Kurz zusammengefasst
- In der Schweiz sind alle Personen verpflichtend in einer Grundversicherung versichert
- Jede einzelne Person muss versichert sein, es gibt keine Familienversicherung
- Die Kosten sind eher hoch und der Arbeitgeber beteiligt sich nicht an der Versicherungsprämie
- Für die Behandlungen müssen Schweizer Versicherte eine Eigenbeteiligung in Form von Franchise und Selbstbehalt aufbringen
- Es gibt keine private Krankenversicherung wie in Deutschland
- Es existieren viele private Zusatzversicherungen für verschiedenste Bereiche
Wer von Deutschland in die Schweiz zieht, muss sich an einige Veränderungen gewöhnen. Bereits zu Anfang relevant wird etwa die Frage nach der Krankenversicherung, denn ebenso wie in Deutschland sind Sie verpflichtet, eine gültige Krankenversicherung nachzuweisen. Auf den ersten Blick ist die Schweizer Krankenversicherung ähnlich gestaltet wie die deutsche – sieht man genauer hin, gibt es aber doch einige Unterschiede. Welche dies sind und worauf Sie achten müssen, wenn Sie sich in der Schweiz versichern wollen, haben wir für Sie zusammengefasst.
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Schweizer Krankenversicherung: Pflichtversicherung für alle
In der Schweiz gibt es keine zwei Arten der Krankenversicherung. Stattdessen ist jeder Bürger verpflichtet, sich bei einer Grundversicherung anzumelden, diese bildet die Basis der Gesundheitsversorgung und stellt sicher, dass alle in der Schweiz lebenden Personen eine gute medizinische Versorgung erhalten, wenn es notwendig ist.
Tarife für die Grundversicherung findet man in der Schweiz bei sehr vielen Anbietern. Das Besondere: Egal, in welchem Tarif und bei welchem Anbieter Sie versichert sind, die Leistungen der Grundversicherung sind überall identisch, denn diese werden vom Gesetzgeber festgelegt. Lediglich die Art der Leistungserbringung kann sich unterscheiden: In bestimmten Tarifen verpflichten Sie sich, zunächst Ihren Hausarzt aufzusuchen, wenn Sie medizinische Hilfe benötigen.
Die Schweizer Grundversicherung im Detail
Die Grundversicherung bildet die Basis des Schweizer Gesundheitssystems. Dadurch, dass die Mitgliedschaft verpflichtend ist, wird sichergestellt, dass alle in der Schweiz lebenden Personen über eine ausreichende Gesundheitsversorgung verfügen. Im Notfall und bei schweren Erkrankungen ist also sichergestellt, dass Sie medizinische Hilfe erhalten.
Die Leistungen der Grundversicherung beschränken sich allerdings auf notwendige und nicht verzichtbare Leistungen – bei weniger schweren Erkrankungen oder Vorsorge kann es sein, dass die Grundversicherung sich nur sehr begrenzt beteiligt oder Sie die Behandlung ganz aus eigener Tasche zahlen müssen. Zahnbehandlungen müssen beispielsweise fast immer aus der eigenen Tasche bezahlt werden (Link Artikel Zahnarzt). Zudem ist die Kostenbeteiligung oft begrenzt: Bei einem medizinischen Notfall übernimmt die Grundversicherung zum Beispiel nur die Hälfte der Transportkosten mit Ambulanz oder Helikopter, bis zu einem jährlichen Maximalbetrag von 5000 Franken.
Zudem ist in der Grundversicherung immer auch eine Eigenbeteiligung vorgesehen, sodass ein gewisser Anreiz besteht, nicht zu häufig zum Arzt zu gehen.
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Franchise und Selbstbehalt
Die Eigenbeteiligung in der Grundversicherung teilt sich in zwei Bereiche auf. Der Selbstbehalt liegt bei 10%, ist gesetzlich festgelegt und hat eine Obergrenze: Jedes Jahr müssen Sie 10% Ihrer Behandlungskosten selbst zahlen, 90% übernimmt die Grundversicherung. Damit die finanzielle Belastung nicht zu gross wird, ist die Selbstbeteiligung auf einen Betrag von 700 Franken jährlich beschränkt. Sobald Sie diesen Betrag bezahlt haben, wird für den Rest des Kalenderjahres kein Selbstbehalt mehr fällig.
Bei der Franchise handelt es sich ebenfalls um eine Form der Selbstbeteiligung, allerdings wählen Sie diese beim Vertragsabschluss selbst: Für Erwachsene stehen die Franchise-Stufen 300, 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 Franken zur Auswahl. Wählen Sie beispielsweise eine Franchise von 1000 Franken, bedeutet das, dass Sie die ersten 1000 Franken Ihrer Gesundheitskosten pro Jahr selbst bezahlen. Danach wird bis zum nächsten Jahr keine Franchise mehr fällig.
Die Franchise hat vor allem Einfluss auf die Höher Ihrer Versicherungsprämie: Je höher diese gewählt wird, desto weniger müssen Sie für Ihre Versicherung bezahlen. Aber Achtung: Eine hohe Franchise lohnt sich nur dann, wenn Sie nur selten zum Arzt gehen und diese nicht regelmässig erreichen. Die mittleren Stufen lohnen sich im Vergleich ebenfalls nur selten, da die Ersparnis im Vergleich zur Standard-Franchise (300 Franken) gering ausfällt.
Rechenbeispiel
Sie sind bei einer Grundversicherung mit 300 Franken Franchise angemeldet. Im Januar gehen Sie zum Arzt und erhalten anschliessend eine Rechnung über 600 Franken:
- Franchise: 300 Franken
- Kostenübernahme der Grundversicherung: 300 Franken abzüglich 10% Selbstbehalt= 270 Franken
- Kosten, die Sie selbst tragen müssen: 330 Franken (300 Franken Franchise, 30 Franken Selbstbehalt)
- Für alle weiteren Rechnungen in diesem Jahr wird dann keine Franchise mehr fällig: Sie haben Anspruch auf eine komplette Kostenübernahme und müssen nur den Selbstbehalt von 10% zahlen
Verschiedene Tarifmodelle
Eine weitere Besonderheit in der Schweizer Grundversicherung sind die unterschiedlichen Tarifmodelle: Da sich die enthaltenen Leistungen nicht unterscheiden, kann man über die Art der Leistungserbringung Geld sparen: Während im Standard-Modell die freie Arztwahl gilt, können Sie mit der Entscheidung für ein anderes Modell Geld sparen: Sie können sich zum Beispiel verpflichten, bei Krankheit zunächst Ihren Hausarzt oder eine Partnerapotheke aufzusuchen – so spart die Versicherung Kosten und kann Ihnen eine vergünstigte Prämie anbieten. Am günstigsten in diesem Bereich sind die Telemedizin-Modelle: Sie kontaktieren zunächst eine medizinische Beratung auf telefonischem Weg oder digital per Chat oder Videoanruf, diese gibt Ihnen dann Ratschläge und leitet Sie bei Bedarf weiter.
Prämien für die Grundversicherung
Ebenfalls anders als in Deutschland ist die finanzielle Belastung durch die Krankenversicherung. Das liegt daran, dass Sie in der Schweiz die Krankenversicherung allein bezahlen, denn der Arbeitgeber beteiligt sich nicht daran. Im Jahr 2026 liegt die mittlere Prämie - also der Durchschnitt aller zu zahlenden Prämien von Erwachsenen – bei 393,30 Franken pro Monat. Wieviel genau Sie bezahlen müssen, ist dann von verschiedenen Faktoren abhängig: Wichtig ist, wo Sie wohnen, bei welchem Anbieter Sie versichert sind und welches Tarifmodell Sie gewählt haben. Es kann also durchaus sein, dass Sie deutlich mehr bezahlen müssen als die mittlere Prämie.
Die Prämien für die Grundversicherung können Sie am Jahresende von der Steuer absetzen. Je nach Kanton gilt ein unterschiedlicher Maximalbetrag.
Bei den Schweizer Grundversicherungen haben Sie grundsätzlich die freie Auswahl: Es besteht Aufnahmepflicht, sodass die Versicherungen verpflichtet sind, alle aufzunehmen, die sich dort versichern möchten. Auch bei einem Wechsel müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass ein Versicherer Sie ablehnt.
Private Zusatzversicherungen
Neben der Grundversicherung existieren viele private Zusatzversicherungen. Diese dienen dazu, Leistungen abzudecken, die die Grundversicherung nicht enthält - oder Leistungen der Grundversicherung zu ergänzen, falls diese gering ausfallen.
Arten der Zusatzversicherung
Die Tarife der privaten Zusatzversicherungen teilen sich auf in Tarife für ambulante Behandlungen und Tarife für Aufenthalte im Spital. Relativ neu am Markt sind ausserdem Tarife für ambulante Eingriffe und Behandlungen im Spital.
Den enthaltenen Leistungen sind bei den Zusatzversicherungen nur wenig Grenzen gesetzt. Es gibt Tarife für Prävention und Vorsorge, Tarife für Zahnmedizin, Medikamente und Hilfsmittel oder für alternative Heilmethoden. Bei den Spitalversicherungen können Sie zwischen verschiedenen Varianten wählen, die Ihnen Anspruch auf eine Behandlung durch den Chefarzt verschaffen und/oder Ihre Unterbringung und nicht-medizinische Versorgung im Spital verbessern.
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Diese Tarife sind besonders zu empfehlen
Es gibt keinen speziellen Tarif, der für alle Schweizerinnen und Schweizer gleichermassen zu empfehlen ist, denn es kommt immer auf die eigene Lebenssituation an. Es gibt aber doch ein paar Zusatzversicherungen, die über lange Zeit nachgefragt sind und sich prinzipiell lohnen.
Zusatzversicherung für Zahnmedizin
Leistungen der Zahnmedizin werden von der Grundversicherung bis auf wenige Ausnahmen nicht übernommen. Gleichzeitig sind Zahnbehandlungen kostspielig und können ein tiefes Loch in die Ersparnisse reissen. Besonders für Familien mit Kindern sind Zusatzversicherungen für Zähne unbedingt zu empfehlen. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass auch kieferorthopädische Leistungen abgedeckt sind.
Zusatzversicherung fürs Spital
Aufenthalte im Spital sind an sich schon unangenehm. Eine Spitalversicherung kann Ihre Unterbringung verbessern, sodass Sie zum Beispiel Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer haben. Auch flexible Spitalversicherungen können sich lohnen: In diesen Tarifen entscheiden Sie von Fall zu Fall, wie Sie untergebracht werden möchten.
Tipps für die Auswahl der passenden Zusatzversicherung
Ein paar Besonderheiten bei den privaten Zusatzversicherungen sollte man kennen und berücksichtigen, wenn man auf der Suche nach dem passenden Tarif ist.
Unser Fazit
Das Versicherungssystem in der Schweiz ist zwar anders, unterscheidet sich aber nicht grundsätzlich vom System in Deutschland. Das Wichtigste dabei ist, dass Sie in beiden Ländern mit einer hohen Qualität und einer sehr guten Versorgung rechnen können.
In der Schweiz kostet die Krankenversicherung allerdings mehr als in Deutschland: Die Prämien sind teurer, der Arbeitgeber beteiligt sich nicht und Sie müssen sich trotz Versicherung an den Behandlungskosten beteiligen. Möchten Sie Ihren Versicherungsschutz mit einer privaten Zusatzversicherung ergänzen, verursacht dies zusätzliche Kosten.
Sparen können Sie dennoch: Durch die Auswahl eines günstigen Anbieters und eines passenden Tarifmodells können Sie sowohl bei der Grund- als auch bei der Zusatzversicherung einige Franken sparen. Überlegen Sie sich gut, welche Tarife für Sie interessant sind, und nehmen Sie sich ausreichend Zeit für einen Vergleich. So ermitteln Sie den günstigsten Tarif und starten bestens abgesichert in Ihr neues Leben in der Schweiz!
Weitere Links und Quellen zu diesem Beitrag
- www.aerzteblatt.de – Schweizer Gesundheitswesen: Vorbild mit Selbstzweifeln
- www.praktischarzt.ch – Gesundheitssystem Schweiz erklärt
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